03.04., Samstag: Albert Tognolini Rest Area - Atemberaubende Schluchten
Der heutige Morgen kann nicht anders als normal beschrieben werden und darüber sind wir heilfroh. Es gibt keine Überraschungen und keine ungebetenen Gäste statten uns einen Besuch ab.
Um halb zehn rollen wir vom Platz. Nach ein paar Kilometern über Asphalt, rumpeln wir wenig später über eine Gravelroad. Der Zustand der Schotterpiste ist teils desaströs. Wir halten sogar an, um etwas Luft aus den Reifen zu lassen, um die Chance auf eine Punktur etwas zu minimieren. Auf der anschließenden Stichstraße in die Kalamina Gorge, passieren wir einen Grader (Planiergerät). Da sind wir wohl etwas zu früh hier. In ein paar Tagen wird die gesamte Strecke nahezu perfekt eben sein. Wir schaffen es jedoch auch so ohne Schäden bis zum Parkplatz.
Gleich zu Beginn, führt der Wanderweg steile hundert Meter in die Schlucht hinunter. Unten angekommen, nehmen wir einen unscheinbaren Abzweig zu unserer Rechten, der zu einem kleinen Wasserfall führt. Die Szenerie ist malerisch. Ein Baum mit üppiger Krone, ähnlich einer Trauerweide, wächst vor sanften Kaskaden empor.
Anschließend geht es entlang des kleinen Bachs durch die Schlucht. Oft genug kreuzen wir den Strom und bewundern dabei die kleinen Wasserfälle, die sich über den gesamten Weg erstrecken. Am ersten größeren Pool rastet bereits eine Gruppe. Wir gehen daher zunächst weiter. Uns steht der Sinn ohnehin noch nicht nach einer Abkühlung. Wenig später fällt Cecil auf, dass er heute noch kein einziges Schild entdeckt hat, welches Drohnen verbietet. Ausgerechnet heute hat er Alli im Auto gelassen. Er schafft es jedoch deswegen nicht zu schlechte Laune zu bekommen. Noch bietet die Szenerie so oder so keine geeigneten Motive.
Das Ende des Weges erreichen wir nach gut 1,5 Kilometern. Der Rock Arc, ein prominenten Loch im Fels, sieht wirklich toll aus. Zumindest mit dem menschlichen Auge betrachtet. Sämtliche unserer Kameras haben ordentlich Probleme, die Szenerie gebührend einzufangen. Besser gesagt gelingt es schlicht nicht. Die Sonne sorgt für zu viel Gegenlicht. Hier wäre Alli dann doch hilfreich gewesen, um auch unseren Lesern ein paar brauchbare Bilder zu liefern. Nächstes Mal.
Nachdem auf dem Hinweg der erste Pool bereits belegt war, haben wir im weiteren Verlauf der Wanderung ein weiteres Wasserloch entdeckt, welches durchaus zum Baden einlädt. Als wir wieder dort ankommen, hat eine Familie offensichtlich dasselbe verspürt. Mittlerweile ist uns allerdings so heiß, dass es uns egal ist, ob wir alleine sind oder nicht. Innerhalb von wenigen Sekunden haben wir uns umgezogen und gehen ins Wasser. Das ist wunderbar klar und eiskalt. Eine wirkliche Erfrischung.
Fast zwei Stunden haben wir in der Schlucht verbracht. Als wir über die Stichstraße zurück fahren, ist diese nahezu komplett geglättet. Und es kommt noch besser. Der Weg in Richtung Westen wurde bereits zuvor bearbeitet. Die weitere Fahrt bis zur Knox Gorge wird daher weitaus angenehmer. Bevor wir die nächste Wanderung angehen, gilt es jedoch zunächst einen kleinen Hunger zu stillen. Die Sonne brennt mittlerweile mit brutaler Stärke. Da wir kaum Schatten finden, in dem wir uns etwas länger aufhalten können, gibt es lediglich ein paar Pistazien auf die Hand. Für den Moment muss das reichen. Besser wir gehen los, bevor unsere Körper den Betrug bemerken.
Da der erste Aussichtspunkt derzeit abgesperrt ist, können wir lediglich einen vagen Blick in die Schlucht werfen. Über sehr hohe Stufen geht es anschließend steil bergab. Sarah ist ganz schön froh, doch noch ihre Wanderschuhe angezogen zu haben. Cecil vermisst seine schmerzlich. Unten angelangt, ist die Hitze kaum zu ertragen. Es weht kein Lüftchen. Aber das wird bald zur Nebensache. Eine unerklärliche Magie zieht uns ins seinen Bann, sobald wir den Boden der Schlucht erreicht haben.
Erneut führt unser Weg entlang eines schmalen Baches. Gut fünfzig Meter hohe, steil aufragende Felswände schließen uns ein. Dazu müssen wir erneut etwas klettern und balancieren, um trockenen Fußes durchzukommen. Ganz allein und nur mit den Geräuschen der Natur umgeben bahnen wir uns einen Weg. Alle paar Meter halten wir inne und bestaunen die Umgebung. Die Wanderung ist ein wahrer Genuss.
Erst als wir das Ende der Knox Gorge erreichen, werden wir aus unserer Utopie gerissen und daran erinnert, dass wir nicht allein auf dieser wunderschönen Welt sind. Vor dem Ende des Weges tummeln sich gut zehn weitere Wanderer. In gebührenden Abstand warten wir eine Weile, bis sich die größte der Gruppen auf den Rückweg macht. Nochmal ein paar Minuten später, sind auch die zwei anderen Personen aus dem Blickfeld verschwunden. Unsere Chance ist gekommen.
Wo der Wanderweg endet, verengt sich die Schlucht bis auf wenige Meter. Die Sonne lässt verschiedene Gesteinsschichten in unterschiedlichen Farben aufleuchten. Durch die Mitte des Felsspalts fließt Wasser. In der Ferne kann man gerade so einen großen Pool erahnen, der froschgrün im Licht schimmert. Wir würden gerne noch näher heran, doch die Schlucht ist ab einem gewissen Punkt mit einer Kette abgesperrt und überall sind Warnschilder angebracht. Bis vor ein paar Jahren war es noch erlaubt tiefer in die Schlucht vorzudringen. Besonders Cecil hat an dem neuen Verbot zu knabbern. Aus mehreren Broschüren ist ihm ein Motiv im Kopf geblieben. Die Fotos wurden definitiv in der Knox Gorge aufgenommen und hinter dem neuen Schild. Mit gutem Blick auf die Schlucht legen wir eine kurze Pause ein. Es wird ein Müsliriegel geteilt und etwas getrunken. Sarah merkt die ganze Zeit schon, wie unruhig Cecil ist. Er kann einfach nicht anders. Vielleicht wartet das perfekte Foto nur ein paar Meter hinter der Absperrung. Kurzerhand geht er zurück und steigt über die Kette. Zunächst ist es recht einfach in der v-förmigen Schlucht trockenen Fußes voranzukommen. Doch schon bald werden die Wände steiler. Es folgt eine Art Hindernis-Parkour der Extraklasse. Teilweise kann Cecil noch Beine und Arme ausstrecken, um auf beiden Seiten für Halt zu sorgen. Gelegentlich gilt es den Rücken an die Wand zu drücken und genug Spannung in den Beinen zu halten. Man kann es sich vorstellen, als würde man versuchen einen Kamin hinauf zu steigen, nur seitwärts. In jedem Fall steigt der Puls. Kurz bevor das vermeintliche Ziel erreicht ist, lässt sich Cecil von einem scheinbar undurchdringbaren Netz von Spinnenweben abschrecken. Zudem wirkt das Gelände zunehmend instabiler. Trotzdem hat es sich in seinen Augen gelohnt. Es sind genau solche Aktionen, bei denen er sich lebendig fühlt. Außerdem ist es schön zu wissen, dass sein Körper diese Art von Klettereinlagen noch mitmacht.
Der Aufstieg aus der Schlucht ist wie erwartet anstrengend. Die Stufen im Fels sind schlicht viel zu hoch. Wir schwitzen und schnaufen ordentlich, als es endlich geschafft ist. Es gilt erneut tief durchzuatmen, als wir einen Blick auf die Uhr werfen. Schon viertel vor drei. Nicht schlecht. Trotzdem wollen wir noch zu den Joffrey Falls. Allerdings entscheiden wir auf dem Lookout, dass es den Abstieg nicht wert ist. Alles ist voller Menschen und der gesamte Wasserfall liegt bereits im Schatten. Wir geben uns daher mit der Aussicht von hier oben zufrieden und gehen anschließend zurück zu Koby.
Auf dem Weg zur Rest Area, auf der wir bereits vorgestern Nacht geschlafen haben, übernimmt Sarah kurz das Steuer, damit Cecil ein paar Aufnahmen mit Alli machen kann. Sogar nachdem die Drohne wieder verstaut ist, fährt sie noch weiter. Doch als die Straße rauer wird, übergibt sie das Steuer wieder an Cecil. Offenbar will sie nicht für einen platten Reifen verantwortlich gemacht werden. Cecil hat damit keinerlei Probleme. Schließlich muss er ihn im Zweifelsfall wechseln.
Entgegen unserer bisherigen Erfahrungen ist die Rest Area heute total überfüllt. Allein drei Caravans kommen noch nach uns an und stehen dann ewig mit laufendem Motor in direkter Nähe. Zum Glück fahren sie irgendwann doch wieder ab. Lediglich ein weiterer Wagen befindet sich am Ende neben uns auf dem Platz. Die Insassen des Subare Forresters parken zwar in gebührenden Abstand, aber dennoch viel zu nah, wenn man bedenkt wie groß die Rest Area ist. Der Wagen und das unerklärliche Verlangen ihren Mitcampern zu nahe zu rücken, lassen nur einen Schluss zu: es handelt sich um Franzosen. Tatsächlich wird diese Vermutung wenig später bestätigt, als sich die beiden in ihrer Muttersprache ankeifen, da beim Aufbau des Zeltes etwas schiefgelaufen ist.
Während Sarah Sport macht, räumt Cecil ein wenig auf. Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, ziehen wir lange Hosen und festes Schuhwerk an. Ab sofort wollen wir vor Schlangenbissen gefeit sein. Zum Abendessen gibt es die letzte Portion Nudeln mit Bolognese-Sauce. Wieder super lecker. Es hätte durchaus etwas mehr sein dürfen. Sarah tippt anschließend die Stichpunkte des heutigen Tages ein. Cecil ist mit Videos beschäftigt.
Um etwa 21:30 Uhr geht Sarah hoch ins Zelt. Sobald es dunkel ist, fühlt sie sich momentan nicht mehr wohl draußen. Mit etwas Mühe kann Cecil diese Sorgen verdrängen und er schaut noch einen Film. Unerwünschte Besucher bleiben heute fern.














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