04.07., Samstag: Lilydale Camping Area - Shopping-Wahn Vol. 2
Wir verlassen unsere Basis der vergangenen Tage und machen uns auf den Weg nach Grafton. Es gilt das Solarpanel fürs Dach zu kaufen und im besten Fall direkt vor Ort bereits anzubauen. Ein frommer Wunsch, wie wir schon bald feststellen müssen. Doch noch ist die Welt in Ordnung.
Als erstes halten wir bei BCF (Booting, Camping, Fishing), einem der größten Outdoor-Austatter in Australien. Das Panel mit einer Leistung von 110 Watt gleicht in Größe und Preis dem Angebot von Supercheap Auto. Zumindest für nicht Mitglieder. Registriert man sich kostenlos bei BCF, kostet das Panel statt 187 $ nur noch 120 $ und ist damit unschlagbar günstig. Noch im Laden registrieren wir uns. Nur zur Sicherheit gehen wir noch kurz gegenüber zu Supercheap Auto. Das Panel kostet hier 189 $ und bietet auch sonst keine Vorteile im Vergleich zur Konkurrenz.
Zurück bei BCF lassen wir uns von einem sehr netten Mitarbeiter beraten. Zusätzlich zum Solarpanel benötigen wir noch einen entsprechenden Controller, erklärt er uns. Der schlägt nochmals mit 40 $ zu Buche. Immer noch günstiger als bei Supercheap. Auf unsere Frage nach der Befestigung am Auto, zeigt er uns die Montage-Ecken der 160-Watt-Variante und meint, genau so sehe das auch bei dem 110-Watt-Modell aus. Falls wir Probleme bei der Anbringung haben, empfiehlt er uns gleich noch eine Werkstatt in der Nähe. Die macht aber erst am Montag wieder auf. Wir wollen es so oder so zunächst selber probieren. Wir kaufen das Panel zum Mitglieder-Preis und erhalten von unserem Verkäufer noch überraschend 10 $ Rabatt auf den Controller. Mit insgesamt 150 $ halten sich die Kosten bisher also stark in Grenzen.
Die Freude über unser soeben erstandenes Schnäppchen verfliegt nur wenige Momente darauf. Direkt am Wagen haben wir den Karton geöffnet und mussten feststellen, dass nicht die versprochenen Montage-Ecken enthalten sind. Lediglich vier Z-förmige Winkel. Noch dazu lassen sich diese nur an der langen Seite des Panels anbringen. Für unsere Zwecke ist daher nichts davon brauchbar und wir sind erstmal ziemlich ratlos. Bevor wir alles sofort zurückbringen, googeln wir im WLAN von Bunnings (praktischerweise auch direkt gegenüber) nach Alternativen ein Solarpanel auf einem Autodach zu befestigen.
Am ehesten kommen für uns weiterhin Montage-Ecken in Frage. Dabei handelt es sich um Ecken aus Plastik, die man mittels Klebeband auf das Autodach kleben kann und man das Panel anschließend wie in einen Bilderrahmen einsetzt und verschraubt. Problematisch ist nur das wir dann zusätzliche Löcher in den Rahmen des Panels bohren müssten. Außerdem können wir solche Ecken weder bei Bunnings noch bei Supercheap Auto finden. Auch in der näheren Umgebung von Grafton gibt es laut Internet nichts. Lediglich bei Amazon könnten wir sie bestellen. Doch wohin liefern lassen, ohne feste Adresse? Trotz aller Widrigkeiten entscheiden wir zunächst Panel und Controller nicht zurückzugeben. Uns fällt schon noch etwas ein.
Hoffentlich sorgt unsere nächste Station für ein Erfolgserlebnis. Bei “Harvey Norman”, einer großen Elektro-Fachmarkt-Kette, wollen wir ein Ladegerät für den Laptop kaufen. Angeblich gibt es dort Modelle, die ganz einfach über den Zigaretten-Anzünder oder, in unserem Falle, die Batterie betrieben werden können.
Im Laden angekommen, denken wir zunächst, wir hätten uns in der Tür geirrt. Wir stehen in einem riesigen Möbelhaus und sehen Sofas so weit das Auge reicht. Im nächsten Raum finden wir nur Haushalts-Elektronik. Wir wollen schon fast wieder gehen, da weist uns eine Mitarbeiterin in der Möbel-Abteilung den richtigen Weg. Wieder durch die Abteilung mit Haushalts-Elektronik, durch einen kleinen Tunnel, vorbei an Mikrowellen und Kühlschränken, dann sind wir endlich richtig.
Kurz schauen wir uns auf eigene Faust um, doch es dauert nicht lange bis wir von einem Mitarbeiter angesprochen werden. Nachdem wir ihm mitteilen, wonach wir suchen, antwortet der sofort das sie solche Ladegeräte nicht führen. Etwas verwirrt, stottern wir das wir es doch aber online gesehen haben. Sarah sucht die entsprechende Website auf ihrem Handy heraus. Ohne um Erlaubnis zu fragen (Corona lässt grüßen), nimmt der Verkäufer ihr das Handy aus der Hand und tippt die Postleitzahl von Grafton ein. Die daraufhin gestartete Verfügbarkeitsprüfung, eines wohlgemerkt zufällig von Sarah ausgewähltem Modells (eines von sechs), ergibt keinen verfügbaren Bestand in Grafton. Äußerst selbstgefällig, reicht der Mitarbeiter das Handy zurück. Ganz nach dem Motto: Hier guck! Haben wir nicht.
Enttäuscht und etwas überrascht von dieser Unhöfligkeit, vergisst Cecil nach der Drohne zu schauen, die er sich kaufen möchte. Sarah weist ihn noch darauf hin, als wir gerade den entsprechenden Schaukasten passieren. Das entsprechende Modell ist darin aber nicht zu sehen. Eine kurze Internet-Recherche ergibt, dass auch im näheren Umkreis keine auf Lager ist. Wie schon bei dem Ladegerät, ärgern wir uns das nicht im Vorfeld schon geprüft zu haben. Noch mehr aber ärgern wir uns über diesen herablassenden Verkäufer. Unser geplantes “Shopping” läuft bisher alles andere als zufriedenstellend.
Wenigsten beim Lebensmittel kaufen läuft im Anschluss alles glatt. Es geht sogar nochmal zu Bunnings, damit Cecil online ein neues Buch kaufen kann. Danach haben wir genug von der Stadt und vom Einkaufen. Eine letzte Recherche ergibt, dass wir online gekaufte Artikel zu einer Filiale der australischen Post schicken lassen können, bei der Pakete dann 7 Tage aufbewahrt werden. Mit diesem Wissen verlassen wir Grafton.
Wir haben wenig Lust auf weitere Enttäuschungen, daher machen wir uns auf den Rückweg nach Lilydale. Hier wissen wir das es gut ist. Unser Stammplatz ist noch frei, was die Stimmung etwas aufhellt. Nach dem Kochen fehlt uns aber zu jeglichen Aktivitäten die Energie. Auf Lagerfeuer, Stricken und Tagebuch schreiben wird daher heute verzichtet. Bereits gegen halb 7 sind wir im Bett und gucken die letzten zwei Folgen Mrs. Maisel.
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