13.05., Donnerstag: Branxholme Rest Area - Externe Prüfung
Eher vom Wind als vom Wecker werden wir um halb sieben geweckt. Das ganze Zelt wackelt bedrohlich, so sehr stürmt es draußen. Dazu zieht sich der Himmel zu, kurz nachdem wir aus dem Bett gestiegen sind. So viel zum Paradies. Immerhin finden wir etwas Windschutz hinter dem Kofferraum.
Nach einer Runde Spiegeleier rollen
wir etwas übrig gebliebenen Stockbrotteig aus und braten diesen in der
Pfanne ab. Wir sind uns einig, dass das als recht guter Brotersatz
gelegentlich durchaus passabel ist. Wir ziehen das Bett ab und packen
das Zelt ein, während das Wasser für Tee und Kaffee aufkocht.
Kurz
bevor wir uns auf den Weg machen wollen, setzt Regen ein.
Schnellstmöglich packen wir zusammen. Wir kriegen alles noch recht
trocken verstaut, doch an unseren Schuhen haftet eine dicke Schicht
Dreck, die wir selbst mit größter Mühe nicht abkratzen können. Das ist
wohl das Todesurteil für unsere Fußmatten. Doch es hilft nichts. Ehe wir
komplett durchgeweicht sind, schwingen wir uns ins Auto.
Gut zwanzig Minuten Fahrt sind es bis nach Hamilton. Dort erwartet uns eine heiße Dusche. Kostenlos, versteht sich. Es nieselt weiterhin, während wir uns ein paar frische Klamotten heraussuchen. Im Toilettenblock ist es eisig kalt, doch das Wasser der Duschen wird schnell heiß. Wir können uns nicht erinnern, wann uns zum letzten Mal so wohlig warm war. Hoffentlich hält das Gefühl für eine Weile an.
Jetzt, wo wir wieder sauber sind, ist es nur logisch auch unsere Anziehsachen mal wieder zu reinigen. Im Waschsalon der Stadt können wir ohne Aufpreis mit Kreditkarte bezahlen. Für unseren Berg an Dreckwäsche benötigen wir eine große Maschine für 9$ und zwei mittlere für je 7$. Wir nutzen die halbe Stunde Wartezeit, um am Blog zu arbeiten. Cecil hinterlegt Videos mit Musik und Sarah bereitet die nächsten Posts vor.
Die Trockner kosten uns weitere 5$. Wir wünschten uns ebenfalls in einer der Trommeln legen zu können. Im Waschsalon ist es unangenehm kalt und der wärmende Effekt der morgendlichen Dusche ist längst verflogen. Eine Nachricht von Sarahs Vater sorgt für Ablenkung von diesem Missgefühl. Die Auslandskrankenversicherung hat Bescheid gegeben, dass Sarahs Fall nächste Woche erneut geprüft wird. Dafür wird ein externer Partner hinzugezogen. Wir können bei so viel Bürokratie und Starrsinn langsam nur noch den Kopf schütteln.
Kurz darauf haben wir unsere saubere Wäsche wieder in den designierten Kisten verstaut. Erst danach merken wir, wie sehr unsere Mägen sich nach einem Mittagessen sehnen. Aus einem Impuls heraus lassen wir uns mal wieder zu Fastfood hinreißen. Oft ist das in solchen Notlagen keine zu schlechte Idee, doch heute geht es nach hinten los. Um es kurz zu machen: zu KFC gehen wir sicherlich nicht noch einmal. Trotzdem sind wir für den Moment einigermaßen satt und setzen unser Programm fort.
Um 14 Uhr checken wir in der örtlichen Bibliothek ein. An einem freien Platz können wir zwei Steckdosen und drei USB-Ports für uns beanspruchen. Wir laden so viele Geräte, wie es nur geht auf. Gut zwei Stunden werden wir in der Bücherei verbringen. Währenddessen ist Sarah die gesamte Zeit über damit beschäftigt zu posten. Cecil versucht eine Unterkunft in Melbourne zu finden. In weniger als einer Woche fahren wir von dort aus mit der Fähre nach Tasmanien. Es ist allerdings gar nicht so einfach eine Unterkunft zu finden, die über einen geeigneten Parkplatz für Koby verfügt. Wie wir es schon von der Fähre kennen, ist er schlicht zu hoch für die meisten Parkhäuser. Heute bleibt die Suche jedenfalls erfolglos.
Mit vollem Tank und einem Kofferraum voller Lebensmittel machen wir uns gegen halb sechs auf den Weg zu einer Rest Area etwas außerhalb von Hamilton. Es wird schon langsam dunkel, doch die Fahrt dauert nur zwanzig Minuten und wir treffen zum Glück nicht auf Kängurus. Wir standen schon letztes Jahr für eine Nacht an diesem Ort. Unser Stellplatz wirkt dieses Mal noch inoffizieller als zuvor. Wir stellen uns aber trotzdem wieder direkt auf die Wiese. Wie gesagt, ist es schon fast dunkel und wen sollten wir damit stören?
So schnell es geht, schlüpfen wir in unsere warmen Sachen. Anschließend müssen wir das Zelt aufbauen und das Bett beziehen. Danach ist “Burger-Time”. Zum Glück bietet ein nahegelegener Pavillon Schutz vor dem Regen, der schon einsetzt, während wir die Brötchen toasten. Die Burger werden ein absoluter Genuss. Das Fleisch und die Brötchen von Aldi sind eine Offenbarung. Es scheint fast so, als hätten wir langsam alle Zutaten für unseren perfekten Burger beisammen. Nur den Käse holen wir das nächste Mal wieder von Woolworths.
Als wir mit dem Abwasch fertig sind, ist der Himmel sternenklar. Das wird wohl eine kalte Nacht. Wir ziehen vom Pavillion zurück zu Koby und bringen gemeinsam die heutigen Stichpunkte zu Papier. Um kurz vor neun sind wir damit durch. Da es draußen langsam immer kälter wird, macht sich Sarah auf und geht hoch ins Zelt. Dort versucht sie noch ein paar Seiten zu lesen, doch sie muss schon bald aufgeben. Ihre Arme und Hände sind schlicht zu kalt, um das Buch noch weiter hochzuhalten. Sie gibt nach und versucht zu schlafen.
Für Cecil geht der Abend noch ein wenig länger. Er schaut zunächst die erste Staffel seiner Formel-1 Serie zu Ende und danach noch eine Dokumentation. “Seaspiracy” nimmt den kommerziellen Fischfang unter die Lupe. Vor allem wird beleuchtet, was sich hinter den Gütesiegeln versteckt, die für nachhaltige Fischerei vergeben werden. Wirklich sehenswert, aber auch herzzerreißend. Mit etwas Mühe findet Cecil trotzdem in den Schlaf.





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